Medaillenregen für die Fox-Schwestern am Beetzsee

Neun Sportler der Paddlergilde überzeugen beim Saisonhöhepunkt in Brandenburg

Eine Woche Deutsche Meisterschaften, neun Sportler der Paddlergilde und am Ende eine ganze Reihe besonderer Momente: Vom 1. bis 6. September wurde die Regattastrecke auf dem Beetzsee in Brandenburg zum Schauplatz des Saisonhöhepunkts im Kanurennsport. Mit Eröffnungs- und Abschlussfeier, großen Teilnehmerfeldern und der besonderen Atmosphäre einer Deutschen Meisterschaft war die Aufregung entsprechend groß, vor allem für Kennedy Fox, Hanna Tietz, Clara Knoth und Hannes Förster, die erstmals bei nationalen Titelkämpfen an den Start gingen. Die beiden Vierzehnjährigen Luise Andres und Joshua Sutor brachten bereits Erfahrung aus dem vergangenen Jahr mit. Letzterer startete für das Kanuteam Baden-Württemberg.

Traditionell begann die Meisterschaft für die Schüler A mit dem Kanumehrkampf. 100 Meter fliegend auf dem Wasser, Schlängellauf, Medizinballschocken und ein 1500-Meter-Lauf verlangten den jungen Sportlern ganz unterschiedliche Fähigkeiten ab. Joshua belegte in der Gesamtwertung Rang 14, Hannes wurde 17., Hanna 23., Luise 25. und Clara 26. Für das erste große Ausrufezeichen sorgte jedoch Kennedy: Mit starken Leistungen in allen Disziplinen erkämpfte sie sich die Bronzemedaille und durfte gleich bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft auf das Podest steigen.

In den 500-Meter-Rennen kämpften sich Joshua und die Mädchen durch starke Teilnehmerfelder, mussten sich jedoch jeweils in den Zwischenläufen geschlagen geben. Ein besonderes Bild gab es dafür im Kajak-Vierer der Schülerinnen: Erstmals seit rund 15 Jahren konnte die Paddlergilde wieder einen reinen Vereinsvierer bei einer Deutschen Meisterschaft an den Start bringen. Gegen starke nationale Konkurrenz erreichten die vier Mädchen einen tollen 10. Platz. Ein Ergebnis, auf das sie bei ihrer ersten gemeinsamen DM stolz sein können. Auf der abschließenden Langstrecke kam leider etwas Pech hinzu: Der Mädchen-Vierer kenterte und konnte das Rennen nicht beenden, was die Freude über bereits erbrachte Leistungen aber keineswegs trübte. Joshua erreichte über 2000 Meter im K4 einen starken achten Rang, Hannes beendete seine erste Deutsche Meisterschaft mit Platz 21 über die Langstrecke.

Bei der Jugend gingen drei weitere Sportler der Paddlergilde an den Start, die für ihre jeweiligen baden-württembergischen Vereine gemeldet waren: Morgan Fox für die Rheinbrüder Karlsruhe sowie Leonard Andres und Jonas Jacob für den WSV Mannheim-Sandhofen. Dadurch ergaben sich insbesondere für die Besetzung leistungsstarker Mannschaftsboote zusätzliche Möglichkeiten sowie zahlreiche Trainingslager, die ohne hauptamtliche Trainer nicht zu stemmen wären. Ihr Trainingsalltag fand jedoch am heimischen Gelterswoog statt.

Für Leonard war bereits die Qualifikation als Sportler des jüngeren Jugendjahrgangs bei der starken Konkurrenz ein Erfolg. Gegen teilweise ein Jahr ältere Gegner sammelte er wertvolle Erfahrungen in Vor- und Zwischenläufen. Im Vierer zeigte seine Mannschaft zudem, was in ihr steckt: Sie war schneller als der vermeintlich stärkere Vierer mit den Teamkollegen aus Baden-Württemberg. Sein persönliches Highlight sparte Leonard sich jedoch für den letzten Wettkampftag auf: Über die 5000 Meter Langstrecke im Vierer, in der es bekanntermaßen in jedem Jahr richtig zur Sache geht, fuhr er ein hervorragendes Rennen und verpasste als Vierter nur knapp das Podium.

Auch Jonas Jacob zeigte, dass er sich trotz der mit dem Alter immer stärker werdenden nationalen Konkurrenz keinesfalls verstecken muss. Mehrfach fehlte nur wenig zum Einzug in die A-Finals. Besonders schön war sein Auftritt über 1000 Meter im Zweier: Gemeinsam mit Fynn Reichert, einem Sportler, mit dem er sich schon seit Anfängerzeiten immer wieder spannende Duelle geliefert hatte, erreichte Jonas das A-Finale und dort einen starken 5. Platz. In den B-Finals im Einer fuhr er zudem auf Rang drei über 500 Meter und Rang zwei über 1000 Meter. Zum Abschluss bestätigte er mit Platz acht über 5000 Meter noch einmal seine konstant starken Leistungen.

Zur erfolgreichsten Kaiserslauterer Sportlerin wurde einmal mehr Morgan Fox. Ihre Medaillensammlung fiel in diesem Jahr besonders umfangreich aus. Gemeinsam mit Marie Freisinger gewann sie sowohl über 500 als auch über 200 Meter Gold im Zweier. Dazu kam der Deutsche Meistertitel im Vierer über 500 Meter in der weiblichen Jugend, verbunden mit dem Gewinn eines besonderen Wanderpokals. Selbst in der älteren Juniorenklasse paddelte sie im Vierer zur Silbermedaille. Doch ein Ziel hatte Morgan schon lange ganz oben auf ihrer persönlichen Liste stehen: eine DM-Medaille im Einer. Nach Platz fünf über 500 Meter gelang ihr dies endlich als Dritte über die von ihr geliebte 200-Meter-Sprintdistanz. Damit krönte sie nicht nur eine herausragende Meisterschaft, sondern empfahl sich auch für ihren ersten internationalen Wettkampf. Aufgrund ihrer starken Leistungen wurde Morgan für die Olympic Hopes Games Ende September in Bratislava nominiert.

Mindestens genauso intensiv wie auf dem Wasser wurde die Woche am Ufer erlebt. Viele Eltern begleiteten die Mannschaft durch die gesamte Meisterschaft und wurden zu den wohl lautesten Fans ihrer Kinder. Sie fieberten bei knappen Rennen mit, freuten sich über Medaillen und persönliche Erfolge und waren genauso da, wenn ein Rennen einmal nicht wie erhofft verlief. Eine DM-Woche besteht schließlich nicht nur aus Siegerehrungen, sondern ebenso aus Nervosität, Enttäuschungen und neuen Erfahrungen. Genau diese Höhen und Tiefen erlebte das gesamte Team gemeinsam. So endete eine Deutsche Meisterschaft, die weit mehr hinterlässt als Platzierungen und Medaillen. Für die jüngeren Sportler waren es erste Erfahrungen auf der größten nationalen Bühne, für andere die Bestätigung einer starken Entwicklung. Für die meisten heißt es nun: eine wohlverdiente Pause und noch die ein oder andere kleine Herbstregatta. Für zwei langjährige Paddlergildler beginnt dagegen mit dem neuen Schuljahr ein ganz neuer Abschnitt.

Morgan und Jonas werden ins Sportinternat wechseln und künftig ihren Trainingsalltag in Karlsruhe verbringen. Nach acht beziehungsweise neun Jahren, in denen beide am Gelterswoog vom Anfängerboot bis in die nationale Spitze begleitet wurden, ist das gerade für ihre langjährigen Trainer ein Moment mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Unzählige Trainingsstunden, Regatten und Trainingslager, Erfolge, Niederlagen und auch schwierige Zeiten liegen hinter ihnen. Umso größer ist der Stolz darauf, wie sich beide sportlich und persönlich entwickelt haben und dass nun der nächste Schritt möglich ist. Mit dem Besuch einer Sportschule und den dadurch deutlich erweiterten Trainingsmöglichkeiten finden Morgan und Jonas in Karlsruhe die Bedingungen, um ihre sportlichen Ziele weiterzuverfolgen. Wohin dieser Weg führen wird, bleibt abzuwarten. Wir hoffen natürlich alle, die bBeiden eines Tages mit dem Adler auf der Brust bei großen internationalen Titelkämpfen an den Start gehen zu sehen. Bis dahin werden zwei vertraute Gesichter im täglichen Training am Gelterswoog fehlen. Wo über so viele Jahre gemeinsam trainiert, gelacht, gekämpft, gewonnen und auch einmal verloren wurde, fällt das nicht ganz leicht. Gleichzeitig ist die Vorfreude auf das, was hoffentlich in den kommenden Jahren noch von beiden zu sehen sein wird, umso größer. Ihre Rennen werden mindestens genauso laut verfolgt und die Freude auf kurze Besuche am See und gemeinsame Regatten ist schon jetzt groß. Denn auch wenn ihr täglicher Trainingsweg nun nach Karlsruhe führt, bleiben ihre sportlichen Wurzeln am Gelterswoog. Hier saßen beide als Kinder zum ersten Mal im Rennkajak und hier wurden über viele Jahre die Grundlagen für ihren weiteren Weg gelegt. Nun darf die gesamte Paddlergilde gespannt verfolgen, wohin dieser Morgan und Jonas noch führen wird.

Ergebnisse im Überblick:

Morgan Fox🥇 K2 200 m,🥇 K2 500 m, 🥇 K4 500 m Jugend,
🥈 K4 500 m Juniorinnen, 🥉 K1 200 m, 5. Platz K1 500 m
Kennedy Fox🥉 Kanumehrkampf, 10. Platz K4 500 m
Leonard Andres4. Platz K1 5000 m
Jonas Jacob5. Platz K2 1000 m, 8. Platz K1 5000 m, 11. Platz K1 1000 m, 12. Platz K1 500 m
Joshua Sutor14. Platz KMK, 8. Platz K4 2000 m
Hannes Förster17. Platz KMK, 21. Platz K1 2000 m
Hanna Tietz23. Platz KMK, 10. Platz K4 500 m
Luise Andres25. Platz KMK, 10. Platz K4 500 m
Clara Knoth26. Platz KMK, 10. Platz K4 500 m
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